Allergie und Klimaschutz

Allergie - Umweltverschmutzung - Klimawandel
Drei Themen die in engen Zusammenhang stehen. Schon lange weisen Wissenschaftler darauf hin , dass die steigende Anzahl an Allergiepatienten nicht allein von genetischen Faktoren abhängt. Gerade Pollenallergiker sind vom Klimawandel stark betroffen

Umweltverschmutzung

Die Umweltverschmutzung ist vermutlich der wichtigste Auslöser für eine Allergie. Immer wieder treten neue allergische Reaktionen auf. Die Wissenschaft hat darauf reagiert und einen eigenen medizinischen Zweig geschaffen. Hier befasst man sich mit der Erforschung von Allergien und ihren Ursprüngen sowie Auslösern.

Vor allem die vermehrten CO2-Ausstöße und das Treibgas werden von den Medizinern  als Ursachen in Betracht gezogen. Die Umweltverschmutzung liegt aber längst nicht nur in der Luft, sie äußert sich beispielsweise auch in den chemischen Düngemitteln auf den Feldern, in Giftstoffen im Grundwasser.

Eine Erkenntnis scheint immer deutlicher zu werden: weniger Umweltverschmutzung bedeutet auch weniger Allergien!


Luftverschmutzung

Was lange Spekulation war, wird immer mehr zur Gewissheit: Ursache für die Zunahme allergischer Erkrankungen ist auch die Luftverschmutzung. Vor allem die feinen Staubpartikel im Dieselruß scheinen bei der Entstehung von Allergien gleich in mehrerer Hinsicht eine wichtige Rolle zu spielen(1)

Zunächst können sie, auch bei Nichtallergikern, in den Schleimhäuten der Atemwege eine Entzündungsreaktion hervorrufen - ähnlich der, die bei Heuschnupfen oder allergischem Asthma abläuft.

Bei Menschen, die allergisch gegen Substanzen wie Pollen sind, verstärken die Russpartikel darüber hinaus die Produktion von Antikörpern und Botenstoffen, die die allergische Reaktion steuern. Folge: Durch die Einwirkung von Dieselruß leiden sie unter besonders heftigen Beschwerden.

Inzwischen gibt es sogar Hinweise darauf, dass die Abgase bei Menschen mit entsprechender genetischer Veranlagung eine allergische Überempfindlichkeit verursachen können, zu der es ohne den Dieselruß gar nicht kommen würde. Frau Professor Dr. Heidrun Behrendt, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und Klinische Immunologie (DGAKI): "Es sieht tatsächlich so aus, als führe bei manchen Menschen erst die zusätzliche Belastung mit Dieselruß dazu, dass sich eine Allergie entwickelt."

 

Pollen fliegen früher und länger

Wenn in Deutschland die Temperaturen als Folge des Klimawandels ansteigen und auch die Winter wärmer werden, kann das für Allergiker gefährlich werden: So blühen bereits heute beispielsweise Birken früher und länger als noch vor 20 Jahren. Der frühere Beginn der Pollensaison bedeutet aber keineswegs, dass sie auch schneller vorbei ist. Sie verlängert sich insgesamt. Gerade Personen mit Allergien gegen mehrere Pflanzen müssen jetzt über Monate die Symptome ertragen.

Auch werden Pflanzen als Folge des Klimawandels durch die üppige Versorgung mit dem Treibhausgas Kohlendioxid größere Mengen an Pollen freisetzen. Zu befürchten ist ferner, dass neue, möglicherweise Allergie auslösende Pflanzenarten nach Deutschland einwandern und sich verbreiten (siehe Ambrosia - Der unerwünschte Einwanderer). Welche Auswirkungen das für Allergie-Patienten haben wird, und wie Forschung und Medizin ihnen begegnen kann, ist kaum erforscht. So ist bislang nicht klar, ob Allergie-Leiden etwa schneller chronisch werden könnten oder ob verstärkt neue Nahrungsmittel-Allergien auftreten werden, die zuweilen als Nebeneffekt von Pollen-Allergien entstehen.

 
 

Dieselruß macht Pollen aggressiver

Neben seinen negativen Wirkungen im menschlichen Organismus kann Dieselruß auch die Allergieauslöser beeinflussen und sie aggressiver machen. Pollen in Industrieregionen und an viel befahrenen Straßen sind auffällig stark an Staubpartikel aus dem Dieselruß gebunden. Als Folge entsteht ein gefährliches, mit großen Allergen-Mengen angereichertes Staub-Luft-Gemisch. Die feinen Staubpartikel können Allergene bis in die kleinsten Atemwege transportieren. So werden heftige Asthmaattacken ausgelöst.

Derselbe Mechanismus wird auch für kurzfristige, regionale Asthma-Epidemien verantwortlich gemacht, die nach einem Frühlings- oder Sommergewitter immer wieder beobachtet werden: Durch den Regen quellen die Pollen auf, brechen auseinander und setzen Allerge in großer Menge frei. Die Allergene binden sich an die feinen Staubpartikel, werden gemeinsam mit ihnen eingeatmet und setzen in der Lunge die allergische Reaktion in Gang.

Umweltverschmutzung und Gifte

Unsere Ansprüche an die Natur und Umwelt wachsen täglich:
Lebensmittel sollen sich besonders lange halten. Nutzpflanzen schnell wachsen und möglichst ertragreich sein.
Kunststoffe besondere Eigenschaften wie Langlebigkeit haben oder sogar bestimmte Schutzeigenschaften entfalten. Reinigungsmittel mit nur einem Tropfen die ganze Wohnung klinisch rein und keimfrei machen.

Das alles ist möglich - aber nur mit  Chemie, und hier scheiden sich die Geister. Was von einige Menschen als Fortschritt und Wohlstand  empfunden wird bedeutet für andere eine Belastung. Denn Umweltverschmutzung, chemische Stoffe und Gifte werden zu Allergie Auslösern. Über Grund- und Regenwasser, Ablagerungen in der Erde, Pflanzen, die Luft, die wir atmen und in die Nahrungsmittel, die wir verzehren nehmen wir täglich unbewusst Stoffe auf, die ursprünglich nicht für den menschlichen Organismus gedacht waren.

Der massive Einsatz von chemische Stoffen ist unserem Körper fremd. Denn die Menschheit hat viele tausend Jahre in einem natürlichen Umfeld existiert. Darauf hat sich unser gesamter Organismus und das Immunsystem eingestellt. Heute müssen wir uns mit viel zu vielen Fremdstoffen auseinandersetzen und  ist es allzuoft überfordert.

Ambrosia - Der unerwünschte Einwanderer

Durch die klimatischen Veränderungen gelingt es immer mehr Pflanzen sich neue Standorte zu erobern. Eine der unerwünschten Einwanderer ist etwa das hochallergene Traubenkraut (Ambrosia) auf das in Ungarn bereits 80 Prozent der Bevölkerung sensibilisiert sein sollen.

Die Pollen dieser Pflanze gelten als besonders gefährlich: Bereits geringe Mengen können Neurodermitis, Heuschnupfen oder Asthmaanfälle auslösen.

In der Blütezeit von August bis September bildet jede Beifuß-Ambrosie bis zu 6.000 Samen aus, in denen sich die gefürchteten Allergene befinden. Bereits fünf bis zehn Pollen pro Kubikmeter Luft reichen aus, um eine allergische Reaktion auszulösen.

 

(1) Lemmen C et al.: Allergo J 2004; 13: 311-22

 
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