![]() | Neurodermitis |

Neurodermitis, medizinisch auch atopisches Ekzem oder atopische Dermatitis genannt, ist eine ernst zu nehmende Hauterkrankung. Sie ist durch starken Juckreiz gekennzeichnet. Fast alle Betroffenen leiden gleichzeitig unter trockener Haut. Zusammen mit Heuschnupfen und allergischem Asthma bildet die Erkrankung die „atopische Trias“. Atopie ist dabei definiert als eine familiär auftretende Überempfindlichkeit von Haut und Schleimhäuten gegen Umweltstoffe.
Die Bezeichnung "Neurodermitis" stammt aus dem Griechischen und zeigt, dass man usprünglich eine Nervenerkrankung als Ursache der Hautentzündung vermutete. Neurodermitis beginnt oft im Säuglings- und Kleinkindalter, selten aber vor dem 3. Lebensmonat. Inzwischen erkrankt jedes fünfte Schulkind an einer Neurodermitis. Je früher die Erkrankung ausbricht, desto besser sind die Chancen, dass sich die Symptome im späteren Leben zurückbilden und eine Beschwerdefreiheit eintritt.
Symptome

Das typische Symptom einer Neurodermitis ist das Ekzem. Es kommt zu einer Hautrötung, einer geringen Schwellung und einem stark anhaltenden Juckreiz. Je nach Alter sind die geröteten, entzündeten und nässenden Areale v.a. im Gesicht, am behaarten Kopf (Milchschorf) oder im Bereich der großen Beugen (Ellenbeugen, Kniekehlen, Hals) zu finden. Ab dem 4.-5. Lebensjahr gewinnen Allergene, wie z.B. Pollen oder Hausstaubmilben eine zunehmende Bedeutung für die Entstehung und Aufrechterhaltung der Krankheit. Ekzemherde sind daher v.a. an Körperstellen zu finden, die durch Kleidung nicht bedeckt sind.
Andere Faktoren sind Jahreszeiten (Licht und Sonne lindern die Beschwerdesymptomatik) und geographische Einflüsse (Berge und Meer bieten ein allergenarmes Klima).
Wichtig ist es zu wissen, dass die Neurodermitis schubförmig verläuft. Phasen in denen das Hautbild schlecht ist, starker Juckreiz und eine schwere Entzündungsreaktion bestehen wechseln sich mit Phasen, in denen die Haut fast keine krankhaften Veränderungen aufweist, ab. Es ist daher sehr wichtig die Therapie und Basispflege ständig dem aktuellen Hautzustand anzupassen (siehe Stufentherapie des atopischen Ekzems)
Ein großes Problem stellt der starke Juckreiz dar, der die Patienten zwingt sich ständig zu kratzen.
Das Kratzen dieser Körperstellen begünstigt die Entwicklung von Entzündungen, indem es die Bakterien regelrecht in die tieferen Hautschichten eingräbt. Siedeln sich vermehrt Bakterien oder Viren an, spricht man von einer bakteriellen oder viralen "Superinfektion".
Oft verdicken sich durch das anhaltende Kratzen die betroffenen Hautareale und es kommt zur sogenannten Lichenifikation oder Elefantenhaut.
Ursachen
Ursache für die Entstehung einer Neurodermitis ist vor allem eine erblich bedingte Anlage ("Atopie"). Durch diese Anlage reagiert die Haut und das gesamte Immunsystem anders auf Reize als es bei Gesunden der Fall ist. Ist ein Elternteil ebenfalls betroffen (Atopiker), so liegt das Risiko einer Erkrankung der Kinder bei 30 %. Sind beide Eltern Atopiker, so liegt das Risiko der Kinder bei 80%.
Daneben findet man bei Neurodermitikern immer eine ungewöhnlich trockene Haut, da die Talgdrüsen nicht genügend Fett produzieren. Durch die gestörte Barrierefunktion und reduzierte Schutzfunktion ist die Haut nicht mehr in der Lage die Allergene ausreichend abzuwehren.
Der Kontakt mit äußerlichen Allergen-Substanzen kann die Hauterscheinungen verschlimmern oder auslösen. Häufige Auslöser sind: Pollen, Hausstaubmilben, Seife, Nahrungsmittel, Umweltgifte, Stress, falsche Hautpflege, Hitze oder kratzende Kleidung. Jedes Kratzen an den juckenden Ekzemen, aber auch Infektionen der Haut verschlimmern und chronifizieren das Leiden.
Letztlich können auch Faktoren wie Stress und psychische Belastung den Ausbruch der Erkrankung begünstigen.
Therapie
Allergische Erkrankungen wie die Neurodermitis sind nicht heilbar, aber meist können die Anzahl der Anfälle und die Schwere der Symptome reduziert werden. Es gibt eine Vielzahl von Therapien. Hier muss jeder Erkrankte mit Unterstützung seines Arztes den richtigen Weg für sich finden. Grundsätzlich sollten aber folgende Therapieansätze beachtet werden.
- Auslöser (wenn bekannt) vermeiden ( zB. Verwendung eines Encasings bei Hausstaubmilben Allergie)
- konsequente, angepasste Hautpflege (siehe Stufenschema)
- medikamentöse Behandlung
Stufentherapie des atopischen Ekzems
| Stufe 1 |
Stufe 2 |
Stufe 3 |
Stufe 4 |
| trockene Haut |
leichte Ekzeme |
stärkere Entzündung nässende Ekzeme, |
anhaltende, schwer ausgeprägte Ekzeme Superinfektionen |
| - systemische Therapie( zB. Cyclosporin A) |
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| - äußerliche Behandlung mit Glucocorticoiden der Klasse 2 und 3 und /oder Calcineurinhemmern | |||
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-antisepitische Wirkstoffe - Behandlung des Juckreizes - äußerliche Behandlung mit entzündungshemmenden Mitteln (Kortison-Alternativen) |
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| - Basispflege der Haut (Fett- und Feuchtigkeitsgehalt der Haut erhöhen) - Vermeidung und Reduktion der Provokationsfaktoren |
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Was kann ich tun?
Bei Neudrodermitis spielt das Verhalten des Kranken eine ganz entscheidende Rolle. Zum Beispiel kann durch eine konsequent durchgeführte Basistherapie das Hauterscheinungsbild deutlich gebessert werden
Als Basisbehandlung bezeichnet man die regelmäßige Pflegebehandlung der Haut mit wirkstofffreien Cremes. Sie dient der Stabilisierung der Hautbarriere und ist ein unverzichtbarer Bestandteil der Neurodermitis-Therapie.
Folgende Tipps sollten Sie bei Neurodermitis beachten:
- Tägliche, sorgfältige Pflege mit einer rückfettenden Feuchtigkeitscreme.
- Kleidung aus Baumwolle, Seide oder Leinen (keine Schafswolle)
- Direkt auf der Haut nur gewaschene Baumwoll-, Leinen- oder Seidenkleidung tragen
- Wenig Waschmittel und keine Weichspüler verwenden
- Wäsche vor dem ersten Tragen 2x waschen.
- Haut höchstens einmal täglich mit rückfettendem Waschöl reingen
- Fingernägel sollen immer kurz sein, damit man sich beim Kratzen nicht unnötig verletzt.
- Wohnraumsanierung: kein Teppichboden, wenig blühende Pflanzen, keine Haustiere, wenig "Staubfänger", milbendichte Zwischenbezüge (Encasings) bei Milbenallergie, kühle Raumtemperaturen
- Entspannungstechniken wie autogenes Training, Yoga, Meditation helfen bei Streßbewältigung. Sorgen Sie außerdem für ausreichend Schlaf, wenig Streß und einen regelmässigen Tagesablauf.
- Keine hautbelastenden Berufe wählen (schlecht: Frisör, KFZ-Mechaniker, Krankenschwester, Feuchtberufe u.ä.
- Urlaub in klimatisch günstigen Gebieten machen ( Nordsee, Totes Meer)
- Nicht rauchen
- Fett-feuchten Verbände bei akuten Schüben anlegen (siehe unten)
- Schutz der Haut vor Kratzattacken mittels mechanischer Kratzbarrieren wie Neurodermitis-Overals oder speziellen Handschuhen
- Kratztrieb umlenken (siehe Seite unten)
Wie finde ich die richtige Hautpflege?
Es ist seit langem bekannt, dass die Hautpflege den Hautzustand maßgeblich beeinflussen kann. So sagt Herr Prof. Abeck, Dermatologe aus München über eine bedarfsgerechte Pflege bei Neurodermitis: „Eine regelmäßige, am besten morgens und abends durchgeführte Basispflege kann zu einer wesentlichen Stabilisierung der Hautbarriere beitragen und neue Krankheitsschübe verhindern oder doch zumindest hinauszögern.“ Das gilt zumindest für mehr als 80% der Ekzeme, die zur leichten Form des atopischen Ekzems gehören.
Eine Pflegecreme besteht hauptsächlich aus Wasser und Fett. Ein Emulgator hat die Aufgabe, beide Teile miteinander zu mischen. Je nach Art des Emulgators, unterscheidet man unterschiedliche, pharmazeutische Formulierungen (genannt: Galenik oder auch System). Sie unterscheiden sich in ihren Eigenschaften grundsätzlich.
- Öl-in-Wasser (O/W): kühlend, schnell einziehend, abwaschbar, durchlässig, gering fettend
- Wasser-in-Öl (W/O): schützend, hinterlässt einen Film auf der Haut, abdichtend, eher fettend
Die für Sie geeignete Pflege richtet sich nach dem aktuellen Hautzustand (normal, Mischhaut, fettig/feucht, trocken/fettarm), der Anwendung (z.B. Augenlid und Gesicht eine Creme und am Körper eine Lotion) aber auch dem Gefühl der Creme auf Ihrer Haut.
Bei einem Ekzem richtet sich die Galenik nach Art des Hautzustandes:
a) Akut: die Haut ist entzündet, offen, nässend, juckend -> Galenik O/W
b) Subakut: die Haut ist leicht entzündet aber nicht nässend und offen; sie juckt -> Galenik O/W oder W/O
c) Chronisch: die Haut ist trocken, spannt und juckt -> Galenik W/O oder Salbe/Öl
Bei Fragen zur Basispflege wenden Sie sich bitte an Ihren Haut- oder Kinderarzt!
Wichtige Wirkstoffe in Pflegecremes

Nachtkerzenöl
Die Nachtkerze (Oenothera biennis) gilt seit jeher als Heilpflanze. Heute wird vor allem das fette Öl der Samen, das Nachtkerzenöl, zur Behandlung der Neurodermitis innerlich wie äußerlich eingesetzt. Nachtkerzenöl wird selbst von der empfindlichen Haut von Neurodermitikern sehr gut vertragen.
Es enthält bis zu 80% Linolsäure und mehr als 10% Gamma-Linolensäure. Mit Hilfe des menschlichen Enzyms Delta-6-Desaturase wird Linolsäure in Gamma-Linolensäure umgewandelt. Aus letzterer bildet der Körper Prostaglandin E 1, das im Körper antientzündlich wirkt. Bei Neurodermitikern kann aufgrund einer Stoffwechselstörung ein Mangel an Gamma-Linolensäure bestehen.
Die äußerliche Anwendung von Nachtkerzenöl hat nachgewiesen einen positiven Einfluss auf die natürliche Barrierefunktion der Haut. Juckreiz, Schuppung oder Rötung werden durch das Auftragen auf die Haut gebessert. Die Haut wird intensiv mit Fett und Feuchtigkeit versorgt.
Glycerin
Amerikanischen Studien (Elias und Fluhr et al.) konnten zeigen, dass der Wirkstoff Glycerin die Hautbarriere eines Atopikers wieder regenerieren kann. Glycerin kommt in der Natur als Baustein von Fetten vor und wird aus diesen gewonnen. ALLERGIKA verwendet ausschließlich Glycerin natürlicher Herkunft. Im Gegensatz zu Harnstoff (Urea; brennen bei aufgekratzter Haut), wird Glycerin problemlos von Neurodermitikern und sogar von der empfindlichen Säuglingshaut vertragen. Für Glycerin sind darüber hinaus folgende Eigenschaften bekannt:
- hydratisierend
- antiirritativ
- kühlend
- wundheilend
- schuppenlösend
Harnstoff
Harnstoff gilt als der wirksamste Feuchtigkeitsspender. Er kommt natürlich in der Haut vor (Natural Moisturizing Factor = NMF). Man konnte zeigen, dass Neurodermitiker an betroffenen Stellen einen besonders großen Mangel an Harnstoff in der Haut aufweisen. Um diesen Mangel, der Juckreiz und Ekzembildung provozieren kann, vorzubeugen, ist es sinnvoll die Haut mit harnstoffhaltigen Zubereitungen wie z.B. ALLERGIKA Creme urea (kleinflächig) oder ALLERGIKA Lipolotio urea (großflächig) einzucremen. Empfindliche Personen reagieren oft mit einem Stechen oder Brennen. Das gilt vor allem bei Anwendungen an offenen Stellen. In diesen Fällen empfiehlt es sich, statt Harnstoff das sehr gut verträgliche Glycerin (siehe oben) zu verwenden.
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Schutz vor Kratzattacken - Der fett-feuchte Verband

A: Kind kurz mit lauwarmen Dermifant® Kinderölbad
baden, danach Dermifant® Kindercreme auf die
betroffene Stelle auftragen.

C: Den passend zugeschnittenen Schlauchverband anfeuchten
und über die Kompresse aufziehen. Trockenen
Schlauchverband über den feuchten Schlauchverband
stülpen.
Kratzen erlaubt

Das Kratzklötzchen
Wenn die Haut juckt, oder das Kind einfach die gewohnte Kratzbewegung durchführen möchte, kann als Alternative ein so genanntes Kratzklötzchen gekratzt werden. Das Kind kann dadurch dem „Kratztrieb“ nachgeben, ohne sich selbst zu verletzen.
Bauen Sie mit Ihrem Kind selber ein Kratzklötzchen:
Man braucht hierzu ein Stückchen Holz oder eine Holzfigur, die ca. 9cm lang, 5cm breit und 2cm stark sein sollte. Die Kanten des Hölzchens werden mit einer Feile oder Schleifpapier
abgerundet. Das Klötzchen wird nun mit einem Fensterleder beklebt. Wenn Sie noch ein Loch hindurchbohren und ein Band durchziehen, kann das Klötzchen immer mitgenommen werden, um bei auftretendem Juckreiz auch sofort einsatzbereit zu sein.






